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One Day in Big Apple
One Day in Big Apple
Mit der Subway durch die Stadt, die niemals schläft
Wie kann man sich für ca. 10,- Euro und in nur einem Tag der Megacity New York nähern - ja begreifen, was hinter Big Apple steckt? Ganz einfach mit der U-Bahn. Die Tageskarte kostet um die 9,- Euro (umgerechnet ca. sieben Dollar - Stand: 11/08) und man bekommt Einblicke in eine Stadt, pur und unverstellt, und ganz anders als aus dem Reisebus oder dem Taxi.
In den 70er und teilweise auch in den 80er Jahren war die Subway von New York ein gefährliches Pflaster - Überfälle und Morde waren an der Tagesordnung. "Die U-Bahn ist aber sicher." bestätigt mir Rick, ein Fahrkartenkontrolleur. Wir haben in den letzten Jahren viel in die Sicherheit und Sauberkeit der New Yorker Subway investiert. Sagt es und schaut stolz und ehrlich, setzt sich langsam wieder auf seinen abgewetzten Bürostuhl und reicht mir die Tageskarte - der Schlüssel für einen Tag New York City. Auf mich warten 1.200 Kilometer Gesamtstrecke von Manhattan bis nach Queens und von Queens nach Brooklyn.
Und wirklich die Stationen sind sehr sauber, die Züge auch, und man sieht überall Servicepersonal. Ich fühle mich sicher. Auch ist die U-Bahn lange nicht mehr dunkel und grau. An vielen Stationen haben sich Künstler in Sachen Lichtdesign ausgetobt und all überall hört man Straßenmusiker. Relativ viele spielen in den Stationen von Midtown Manhattan auf, und dies ganz legal und von der Bahngesellschaft ausdrücklich erwünscht. Ein Streichquartett begleitet mich mit seinen Kontrapunkten von Bach musikalisch bis zu den Gleisen. Immer leiser wird die Musik bis sie schließlich ganz von den krachenden Geräuschen des einfahrenden Zuges übertönt wird. Die Türen schieben sich zur Seite und eine Menschentraube strömt auf den Bahnsteig. Silber und grell leuchtet der Zug.
In Manhattan fährt die Subway leider nur unterirdisch. Ich fahre daher hinaus aus dem Zentrum, um mehr von der Stadt zu sehen. Wir haben 6:00 Uhr vormittags und ich entschließe mich, den Tipp von einem alten Freund zu folgen, der mir riet, mit der Strecke D über die Manhattan Bridge zu fahren. Der Zug ist voller Pendler auf dem Weg zu Arbeit. Anzugträger mit Aktentasche und Notebook wechseln sich mit Arbeitern im Blaumann und Frauen mit Kopftüchern ab. Das Publikum ist international. Ich blicke in braune, weiße und gelbe Gesichter. Nach wenigen Minuten erreichen wir die Brücke. Der Fluss unter ihr, der East River, liegt noch dunkel da. Die Lichter der Stadt spiegeln sich in ihm. Von meinem Fenster aus habe ich eine einzigartige Aussicht hinüber auf die Brooklyn Bridge. Ich schaue mich um und blicke durch das gegenüberliegende Fenster. Mein Blick fällt direkt auf die Dame aus Frankreich, die Freiheitsstatue. Die aufgehende Sonne taucht die Szene langsam in traumhafte Farben. Wir fahren aus der Stadt hinaus und ich bewundere die großen bleistiftgleichen Wolkenkratzer von Manhattan. Stolz und aufrecht scheinen sie die über ihren Dächern schwebenden Wolken mit ihren Antennen aus Stahl zu kitzeln.
Meine nächste Fahrt führt mich zum größten Bahnhof in Big Apple, den Grand Central. Ich bin wieder zurück im Zentrum der Bürotürme, zurück in Manhattan. Mein Ziel ist sind die "bunten" Stationen, die mit kleinen Steinarbeiten (Mosaiken) geschmückt sind. Ich besteige die Linie 5 und fahre in die 57th Street. Dort kann man sich das erste einer ganzen Folge von Wandbildern anschauen. Bunt und schön sehen diese Stationen aus. Auch in der 50. Straße findet man Wandbilder. Das wohl bekannteste ist am Times Square zu bewundern. Gerade diese Stationen sind einzigartig in New York und erzählen mit ihren Mosaiken kleine Geschichten.
Langsam bekomme ich Hunger. An vielen Kiosks und kleinen Bars kann man sich kleine Snacks und Fertiggerichte kaufen. Es gibt auch Sandwich-Läden, die den Namen der Bahn tragen und von hier aus einen Siegeszug in die Welt antraten. Natürlich gibt es auch unzählige Fast-Food-Ketten, die den Hunger stillen. Ich entscheide mich aber für ein Erdnuss-Sandwich an einem kleinen unterirdischen Kiosk und trinke eine Cola dazu. Mit meinem Sandwich in der Hand besteige ich einen Wagen der A-Linie. Diese Strecke wird mich zum New Yorker Flughafen bringen. Plötzlich umgeben den Zug Vögel und dichte Vegetation. Ein älterer Herr, der mir gegenüber sitzt, bemerkt mein "Erstaunen" und sagt freundlich zu mir: "Ha, das haben Sie wohl nicht erwartet. Wir fahren gerade durch den Jamaica Bay, ein Naturschutzgebiet. Es ist eine Art Moor mit einer üppigen Vegetation und vielen Tieren." Ich genieße diesen so unerwarteten Ausblick. Unfassbar - nur einige Kilometer vom belebten Stadtzentrum New Yorks entfernt, liegt ein Garten Eden.
Am Ende meines "Subway-Days" in New York beschließe ich, noch über die Dächer Brooklyns zu rauschen. Ich steige an der Station Broadway aus und in die L-Linie um. Sie führt mich zurück nach Manhattan und rattert dabei in ca. 20 Meter Höhe über die Kleingärten und Backsteinhäuser Brooklyns. Ein komisches Gefühl ist es irgendwie, wenn man sich vorstellt, dass dort Menschen wohnen - so dicht an der Bahn.
Langsam geht die Sonne unter. Die Lichtscheibe bricht sich an den Hochhäusern und den Brücken. Heute hatte ich kein richtiges Ziel. Die Fahrt war das Ziel und ich bin sitzen geblieben, um unterwegs zu sein, dies wird mir jetzt klar. Ein schöner Tag voller neuer Eindrücke. Viele Gesichter werden mir in Erinnerung bleiben und ich habe mich für einen Tag wie ein echter New Yorker gefühlt. Die Stadt von der Schiene aus zu erleben, war abenteuerlich und eindrucksvoll. Ich bin aber auch ganz schön geschafft.
Quelle: NWP
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