Die Kirche aus Salz
Salz - Das weiße Gold
In der Nähe von Krakau liegt die schöne kleine Stadt Wieliczka. Ganz unscheinbar liegt diese typische polnische Stadt in Kleinpolen. Doch der Augenschein trügt. Tief unter der Grasnarbe birgt die Erde von Wieliczka ein Geheimnis. Wieliczka war eine Bergbaustadt. Hier bauten man Salz ab und schuf fast nebenbei ein unterirdisches Reich der Schönheit. Das Juwel dieses Reiches ist die Salzkirche der Schutzpatronin "Kinga".
Bitte nicht
Dem Besucher des Salzbergwerks und besonders der Salzkirche fallen sofort die Tafeln mit der Aufschrift "Nicht schlecken" auf. Auch der Klassiker Goethe kam bei seinem Besuch 1790 in die Versuchung am "weißen Gold" der Kirche zu schlecken und untersagte sich dies mit eiserner Disziplin oder mag er dieser Versuchung doch erlegen sein? Wir wissen es nicht!?
Was wir wissen, ist, dass Goethe eine Studienreise im Auftrag des Herzogs von Weimar unternahm und während dieser Reise auch nach Wieliczka kam. Goethe war damals am Weimarer Hof Geheimrat für Bergbau und u.a. auch im thüringischen Imenau für die Förderung von Botenschätzen verantwortlich.
Seit Anfang unseren Jahrzehnts steht der Geheimrat nun selbst als Statuette tief unten im Berg und zwar als salziges Denkmal. Wir hoffen inständig, dass ihn keiner anleckt. Aber genug von Goethe und zurück in unsere Zeit ...
Auf geht´s
Die Tour in die tiefen Welten der Salzhallen startet am Schacht "Danilowicz". Hierher kommen Schulklassen, Rentner und vor allem Touristen aus Deutschland und Österreich. Alles in allem sind es jährlich über eine Million Besucher, die das Weltkulturerbe besichtigen. Von hier aus geht es fast 130 Meter in die Tiefe und das nicht mit dem Aufzug, sondern auf schicken Holztreppen. Hier unten warten Galerien, schmucke Statuetten (einen schönen Gruß von Goethe) und künstliche Salzseen auf den Hobbybergmann.
Vor einigen Millionen Jahren war hier unten nichts außer Wasser. Das Wasser war sehr salzhaltig und führte so zu den Salzablagerungen bzw. den Kristalllagern. Nach einiger Zeit kam das Salz in Form von salzhaltigen Quellen wieder an die Oberfläche und später wurde es mit viel Blut und Schweiß abgebaut.
Der Bergbau
Schwer war die Arbeit "Untertage" und jeder Zehnte der Arbeiter gab für das Salz sein Leben. Das Salz wurde bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nur mit Muskelkraft und wenigen Werkzeugen abgebaut. Später kamen auch Sprengstoffe zum Einsatz. Die Mine war trotz der hohen Menschenopfer ein wirtschaftlicher Erfolg unter der Oberaufsicht der Rex Poloniae, der polnischen Könige.
Die Grube steht heute für mehr als für die königliche Geschichte und für die Schwere der Arbeit. Ende des 17. Jahrhunderts ereignete sich in der Grube ein sehr schweres Unglück, welches die alte unterirdische Kirche völlig zerstörte. Als Folge des Unglücks wurde die unterirdische Kathedrale ganz neu errichtet und diesmal schöner als je zuvor. Noch heute besticht die Kirche der Kinga durch ihre kunstfertige Salzbildhauerei und die beeindruckende Salzkunst.
Die Kathedrale lebt
Mehrmals im Jahr steigen Brautpaare die hübschen Holzstufen hinab und lassen sich in der Salzkirche trauen. Zu diesen besonderen Anlässen stimmt sogar ein Chor und ab und an ein ganzes Orchester für das junge Glück mit ein. Die Akustik der Bergkathedrale ist unvergleichlich. Auch Boleslaw, mein polnischer Begleiter, hat hier unten geheiratet und seine Ehe hält noch immer. "Wer hier heiratet, lässt sich einfach nicht scheiden" sagt er noch zum Abschied. Mir bleibt zwar nicht das Glück fürs Leben, aber das Glück einer wunderschönen Bekanntschaft. Ich werde Dich nicht vergessen Du Kirche der Kinga.